Köthener Bachfesttage

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Das Festival-Bier Giovanni

Johann Sebastian Bach und Bier?

Da besteht kein Zusammenhang, so würde man vielleicht vorschnell sagen. Es gibt eine Kaffeekantate von ihm, aber eben kein Werk, in dem es um das Bier geht. Doch schaut man sich allein das Gemälde an, das von ihm erhalten ist, spürt man: Der Mann war kein spröder Kostverächter. Als Vertreter des Barockzeitalters hatte er es fast im Blut, sein Leben auch üppig zu führen. Bach – Lebensfreude – Essen und Trinken, das gehört einfach zusammen. Aus dem Jahr 1716 ist ein Bewirtungsbeleg von ihm erhalten, der zeigt, wie gern er wohl gegessen hat und wie viel er auch an Alkohol vertragen konnte.

Es lässt vermuten: Bestenfalls war Bach als Konsument an Bier interessiert, aber nicht als Musiker, der es zum Thema machte. Aber der Gerstensaft und die Musik von Bach haben Parallelen. Seine Kompositionen sind komplex und durchdacht, kommen nicht aus einer Gefühlsduselei und Innerlichkeit heraus, sondern basieren auf Wissen und handfestem jahrelang erlernten Können. Die Schönheit Bachscher Musik besteht eben nicht nur in den Melodien, sondern entsteht auch durch Struktur, Proportion, Physik, Zahlenverhältnissen und dem souveränen Umgang damit. Bach konstruierte förmlich seine Werke, wie die in Köthen entstandene Chaconne in d-moll für Violine solo (BWV 1004). Die Barockzeit hatte eine Vorliebe für Zahlenverhältnisse und Ratespielchen. Solche Zahlenspiele kann man bei Bach auch mit der Zahl 3 entdecken, die naheliegend für seinen religiösen Hintergrund als Sinnbild für die Dreifaltigkeit steht, wie man es eindrucksvoll in Präludium und Fuge in Es-Dur (BWV 552) entdecken kann. Hier führt Bach zunächst drei separate Themen symbolisch für Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist in einzelnen Fugen durch, um sie nach und nach kunstvoll miteinander zu verschmelzen. Bach und Bier – es gibt Parallelen. Ein Bier, das Bach im Namen trägt, muss auch für das stehen, was seine Musik ausmacht: Wissen, Können und ein Gespür für das rechte Maß. Diesem Anspruch folgend wurde an der Forschungs- und Lehrbrauerei der Hochschule Anhalt in Köthen von Herrn Prof. Dr. Jean Titze und dem Masterstudenten, Herrn Johannes Jeske, anlässlich der Bachfesttage ein historisches Märzen entwickelt, das diesem Dreiklang folgt: Aus drei Rohstoffen, Köthener Wasser, Landgerstenmalz und Rottenburger Spät Hopfen, wurde das Bier mit einem Drei-MaischVerfahren, dreier Nachgüsse sowie drei Hopfengaben – musikalisch von Bach inspiriert – handwerklich nach dem Reinheitsgebot »komponiert«. Prof. Dr. Jean Titze – Hochschule Anhalt

»Giovanni« war übrigens der Kosename, den Bachs zweite Frau Anna Magdalena ihrem späteren Mann in Köthen gegeben hat… Das Bier wurde anlässlich der Köthener Bachfesttage im Köthener Brauhaus gebraut und ist nicht mehr verfügbar!